Klassenlehrerzeit

Der Schultag beginnt für alle Schüler mit dem Hauptunterricht, einem Unterrichtsblock von ca.2 Stunden, in dem die Hauptfächer wie Deutsch, Mathematik, Geschichte, Erdkunde oder Naturwissenschaften in Epochen von jeweils 3-4 Wochen nacheinander im Schuljahr behandelt werden. So haben die Schüler genügend Zeit, um die verschiedenen Phasen des sinnvollen Lernens zu durchlaufen: vom Wahrnehmen bis zum Verstehen, vom Üben bis zum Verarbeiten.

Der Hauptunterricht der ersten acht Schuljahre wird von einem Klassenlehrer durchgeführt und in der Oberstufe durch einzelne Fachlehrer übernommen. Von jedem Schüler wird ein Epochenheft gestaltet, das die Arbeitsergebnisse festhält und anstatt eines Lehrbuches als Nachschlagewerk dient.

Im Hauptunterricht wird sowohl das Denken im darstellenden Lernteil als auch das Gefühlsleben durch Erzählungen, Malen und Musizieren sowie die Willenskräfte durch Eigentätigkeit wie Rezitieren oder Epochenheftgestaltung angesprochen.

Fächer, die laufender Übung bedürfen (handwerklich-künstlerischer Unterricht, Fremdsprachen, Bewegungsfächer), werden in Fachstunden erteilt. So folgen dem Hauptunterricht in den Vormittags- und den Nachmittagsstunden Englisch, Russisch, Eurythmie, Sport, Musik, Religion, Handwerk und Handarbeit, Gartenbau. In den Fachstunden werden die Klassen größtenteils in Gruppen aufgeteilt. Von der ersten Klasse an werden an den Waldorfschulen zwei Fremdsprachen unterrichtet, denn in den ersten Schuljahren können die Kinder eine fremde Sprache noch nachahmend aufnehmen. Unsere Schüler lernen Englisch und Russisch - zwei Sprachen, die sich sehr in ihrem Klang, Schriftbild, Sprachcharakter und dem kulturellen Hintergrund unterscheiden. Indem die Kinder in der Unterstufe Verse und Reime nachsprechen und in Märchenspiele eintauchen, erleben sie die Sprache als reines Lautgeschehen in Tonfall, Musikalität und Rhythmus. Auf eine wörtliche Übersetzung verzichtet man deshalb zunächst. Sie lernen hörend, spielend, sprechend und singend, sich in den Klang und den Gestus der Sprachen einzufühlen und schulen ihr Ohr für fremde Laute. Etwa ab der 4.Klasse entwickelt sich daraus dann der gezielte Aufbau der Grammatik und des Wortschatzes. Nun liegt der Schwerpunkt auf der Sprachstruktur. In der Oberstufe überschauen die Jugendlichen größere Zusammenhänge und können aus dieser Kenntnis ihr Weltinteresse entwickeln. Die Arbeit an der Sprache umfasst nun zunehmend selbstständige Charakterisierungen und Interpretationen; es wird argumentiert und übersetzt unter dem Gesichtspunkt des Sprachvergleichs. In dieser Zeit greift der Sprachlehrer oft auf Originaltexte ausländischer Autoren zurück.