Das Medienkonzept der Freien Waldorfschule Leipzig
Ziel der Waldorfpädagogik ist es, gesund entwickelte, handlungs- und sozialfähige junge Menschen ins Leben zu entlassen. Dazu gehört auch Medienmündigkeit: ein bewusster, reflektierter Umgang mit analogen und digitalen Medien.
Wir verfolgen dieses Ziel durch das Zusammenspiel zweier Ansätze, deren Gewichtung sich mit dem Alter verändert:
- Indirekte Medienpädagogik: stärkt Selbst- und Sozialkompetenz – die Grundlage für einen gesunden Medienumgang, ganz ohne direkten Medieneinsatz.
- Direkte Medienpädagogik: vermittelt praktische Kenntnisse und eine kritische Reflexionsfähigkeit im Umgang mit Medien.
Beides beginnt mit Medienabstinenz in der Vorschulzeit, führt über das Lesen- und Schreibenlernen zu den analogen Medien Bild, Schrift und Buch und mündet in der Oberstufe in den bewussten, kritischen Umgang mit Film, Computer und Internet.
Quelle: Kullak-Ublick, Henning (2015): Struwwelpeter 2.0. Medienmündigkeit und Waldorfpädagogik, S. 11
Handyfrei an unserer Schule
Die meisten Bereiche unserer Schule sind handyfrei. Private digitale Geräte wie Handys oder MP3-Player sind auf dem Schulgelände und im Gebäude nicht gestattet – eine Ausnahme gilt für die Fachräume der Oberstufe.
Das Medienkonzept lebt vom regelmäßigen Austausch: durch Elternabende, die Schulung des Kollegiums und die gezielte Fortbildung einzelner Kolleg:innen in Hard-, Software und Pädagogik. Oberstes Ziel ist die Medienmündigkeit der gesamten Schulgemeinschaft.
Unterstufe (Klasse 1–4)
Im Mittelpunkt steht die gesunde körperliche und seelische Entwicklung. Der Unterricht ist künstlerisch, bildhaft und sinnesorientiert – analoge Medien wie Sprache, Musik, Bücher und Bilder werden schöpferisch genutzt: beim Rezitieren, Singen, Malen und Gestalten der Epochenhefte.
Eine konsequente elektronisch-digitale Medienabstinenz schützt die kindliche Entwicklungsfähigkeit; Filme und Audiodateien kommen didaktisch nicht zum Einsatz. Bereits in der Unterstufe werden Eltern auf Elternabenden über den Einfluss digitaler Medien informiert und im familiären Umgang sensibilisiert.
Fazit
Sinneserfahrung und Fantasie stehen im Zentrum. Vermittlungsmedien sind Sprache, Musik, Bücher und Bilder – daraus ergibt sich die elektronisch-digitale Medienabstinenz.
Mittelstufe (Klasse 5–8)
Bewegung, manuelle Fähigkeiten und echte Sinneserfahrungen bleiben Schwerpunkt: Musizieren, Rezitieren, Handarbeit, Turnen und Eurythmie bilden das Fundament für das Kopflernen. Elternabende klären über Chancen und Risiken digitaler Mediennutzung auf.
Schrift und Sprache sind die Hauptmedien: Tafelanschrieb, Epochenhefte, Referate und die Jahresarbeit in Klasse 8. Ab der Jahresarbeit lernen die Schüler:innen den praktischen Umgang mit Text-, Bild- und Tonbearbeitung am Computer; für Recherche und Hausaufgaben bleiben Bücher und Printmedien vorrangig. Auf handyfreien Klassenfahrten wird das eigene Medienverhalten reflektiert.
Fazit
5.–6. Klasse: analoge Sinnesentwicklung bleibt Fundament
6.–7. Klasse: erste Aufklärung über soziale Medien, Mediennutzung, Medienrecht und Mediensucht; Einführung in Bild- und Textbearbeitung
7.–8. Klasse: digitale Medien werden bewusst als Werkzeug in Projekte einbezogen und reflektiert
Oberstufe (Klasse 9–13)
Praktika (z. B. Landbau in Klasse 9, Soziales in Klasse 11) und Gruppenprojekte stärken weiterhin Empathie, Teamgeist und Verantwortungsbewusstsein – die Basis für einen bewussten Medienumgang.
Die direkte Medienerziehung vertieft sich: Schüler:innen vergleichen analoge und digitale Medien (z. B. Buch und Verfilmung im Deutschunterricht), analysieren deren Wirkung und lernen, Quellen kritisch zu prüfen – seriös von unseriös zu unterscheiden und Fake News zu erkennen. Beim Erstellen eigener Werke (Filme, Audioaufnahmen, Präsentationen, Jahresarbeit) werden verschiedene Medien gezielt eingesetzt und reflektiert.
Zusätzlich werden digitale Kompetenzen vermittelt: Schreibprogramme, Tabellenkalkulation, Präsentationssoftware, CAS-Rechner. Jede Klasse hat mindestens einen Medientag pro Schuljahr; alle drei Jahre findet für die Klassen 9–11 ein mehrtägiges Medienprojekt mit externen Fachleuten statt (Soziale Medien, Datenschutz, Internetsicherheit, Betrugsversuche). Auch die Lehrkräfte bilden sich regelmäßig fort.
Diese Themen – Medienvergleich, Medienanalyse, Medienkompetenz – ziehen sich durch mehrere Fächer und sollen die Schüler:innen am Ende ihrer Schulzeit zu einem geübten, reflektierten Medienumgang führen.